Kollektive Verblendung - wohin sie die Physik führt 

Seit jeher ist der Mensch bereit, sich fremdes Gedankengut anzueignen, sei es eine Ideologie, ein Glaube
oder eine Lehre, weil es bequemer oder zweckmäßiger erscheint oder verlangt bzw. erwartet wird.
Damit begibt er sich freiwillig in eine geistige Unmündigkeit, die leicht in einer kollektiven Verblendung
enden kann, weil die Individuen einer ganzen Gruppe oder Gesellschaft aufhören, Sachverhalte objektiv
einzuschätzen, sich eigene Gedanken zu machen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
 
"Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des
Verstandes,
sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines
anderen zu bedienen." Immanuel Kant  


Dieses Phänomen der geistigen Selbstaufgabe ist unabhängig vom allgemeinen Bildungsstand, denn es
trat auch noch nach Kant auf, im 20. Jahrhundert. Jetzt, im Zeitalter des Mobilfunks, Internets und der
social networks erlebt es selbst in der Physik eine Blütezeit, kommt es hier zu einer
Indoktrination
(keinen Widerspruch oder eine offene Diskussion zulassende Belehrung), indem die
Theorien und Ideen
angeblicher Genies oder Koryphäen als über jeden Zweifel erhaben angesehen werden, obwohl 
immer mehr Ungereimtheiten feststellbar sind.

So ist es bei Newton und auch bei Einstein. Der um sie betriebene Personenkult lässt die meisten
Physiker ehrfürchtig erstarren und nimmt ihnen damit die Fähigkeit einer objektiven Beurteilung,
so dass jeder Einspruch der Natur (s. Startseite) und jede kritische Stimme unbeachtet bleiben.
Selbst der Umstand, dass einige der in der Physik kursierenden Vorstellungen wohl jeden
Bezug zur Realität verloren haben, stimmt nicht nachdenklich.



Beispiel Raum-Zeit-Idiotie

Es ist bereits etliche Jahre her, als Physiker die Theorie aufstellten, dass die Zeit eine vierte Dimension
des Raumes sei. Das sprengte den Rahmen, der durch die klassische Betrachtungsweise von Raum
und Zeit gesetzt war, wodurch hier die Grenze zwischen Realität und Phantasie fließend wurde.

Eine der daraus resultierenden Phantasien fing zunächst ganz harmlos damit an, dass ein Autor von 
Science-Fiction-Romanen vor dem Problem stand, wie seine Helden von Galaxie zu Galaxie gelangen
können, die Millionen von Lichtjahren auseinander liegen. Er fand eine elegante Lösung, indem er
kurzerhand die Raumschiffe mit einer ganz neuen Antriebstechnik ausstattete, dem so genannten 
Warp-Antrieb. Wie genau jener funktionieren soll, wird vom Autor nicht weiter erläutert. Das muss
er auch nicht, denn Science-Fiction ist ja lediglich eine Mischung aus Wissenschaft und Phantasie.

Es fanden sich jedoch einige Physiker, die davon inspiriert wurden und darüber nachdachten,
wie man einen solchen Antrieb realisieren könne. Aus bloßer Phantasie wurde so ein Projekt,
das den Anschein erweckt, wissenschaftlich, und damit seriös, zu sein.

Ein funktionsfähiger Warp-Antrieb muss die Eigenschaft haben, einen bestimmten Energie-Impuls-Tensor
zu erzeugen, welcher das Raumzeitgebiet um ein Raumschiff herum derart verändert, dass die Entfernung
zwischen Start- und Zielpunkt verringert wird. Dies bedeutet nichts anderes, als das die Raumzeit vor dem
Schiff kontrahiert und hinter ihm wieder expandiert. Da sich die Raumzeit selbst überlichtschnell ausbreiten
darf, könnte ein Objekt also theoretisch in einer solchen Warp-Blase mitreisen. Die erste funktionierende
Warp-Metrik wurde 1994 von Miguel Alcubierre aufgestellt.
Sie ist jedoch keine strenge Lösung der
Einsteingleichungen
sondern wurde direkt mit den gewünschten Eigenschaften konstruiert. Um die
Gleichungen zu erfüllen, ist eine negative Energiedichte erforderlich, welche auch als
exotische Materie
bezeichnet wird.
 
                                                                                                                                                                  (aus Wikipedia)

Die 1994 von Alcubierre aufgestellte Warp-Metrik wurde direkt mit den gewünschten Eigenschaften
konstruiert, war also bloß eine Wunschvorstellung, der 
ein Anschein von Realität verliehen wurde,
indem man die Exotische Materie
kreierte. 

Der Begriff Exotische Materie der Teilchenphysik ist sehr weit gefasst, bezieht sich allgemein auf Teilchen,
die nicht aus Elektronen, Protonen und Neutronen aufgebaut sind, und im Speziellen auf Hypothetische
Materie mit negativer Energiedichte. Letztere Art der Materie wurde bis heute noch nicht beobachtet.

Beispielsweise versuchen Geophysiker, ungewöhnliche Erdbeben mit den Einschlägen von Teilchen der exotischen Materie mit Massen im Nanogramm-Bereich zu erklären, deren Dichte der von Atomkernen gleichkommt. Diese Partikel werden Strangelets oder Strange Quark Nuggets genannt, da sie aus Strange-Quarks bestehen sollen. Aufgrund theoretischer Überlegungen wurde diese Art von exotischer
Materie schon 1984 von Edward Witten vorgeschlagen.

Exotische Materie mit negativer Energiedichte ist keine Antimaterie. Zwar lassen sich zumindest für
Fermionen die Antiteilchen formal durch Zustände negativer Energie beschreiben, jedoch sind die
Antiteilchen im Rahmen dieser Theorie Löcher im
Dirac-See, also fehlende Teilchen negativer Energie,
und haben somit wieder positive Energie. Die Feynman-Stückelberg-Interpretation 
beschreibt die
Antiteilchen als Teilchen positiver Energie, die sich rückwärts durch die Zeit bewegen.
Wurmlöcher
und der fiktive Warp-Antrieb von Miguel Alcubierre (siehe Überlichtgeschwindigkeit) benötigen
exotische Materie negativer Energie.


                                                                                                                                                                        (aus Wikipedia)

Der Faden wird immer weiter gesponnen. Es geht jetzt nicht mehr nur um eine Raumzeit, sondern 
neben Exotischer Materie um Strange Quark Nuggets, Löchern im Dirac-See, ein Rückwärts durch
die Zeit und Wurmlöcher, getreu dem Motto: "Je dichter das Gespinst aus Annahmen, Vermutungen
und Behauptungen, desto geringer die Gefahr, dass es als blanker Unsinn durchschaut wird!"

Da der Alcubierr'sche Antrieb zusätzlich etwa zehn Milliarden mal mehr exotische Materie benötigt, als das Universum insgesamt besitzt, wurde er von Van den Broeck dementsprechend verbessert. Dazu schloss
er die Alcubierre'sche Warp-Blase um zwei weitere Blasen herum. Seine Rechnungen zeigten, dass sich der
Bedarf an exotischer Materie dadurch zwar nicht aufhebt, aber zumindest auf einige Sonnenmassen reduziert wird. Die äußere Blase, also die eigentliche Alcubierre-Warp-Blase, wird dabei als sehr klein (R=3·10−15m)
angesetzt. Die innerste Blase besitzt dafür jedoch eine Oberfläche, die einer Blase von 200 m Durchmesser entspricht. Diese scheinbare Diskrepanz wird durch die vierdimensionale Geometrie ermöglicht.

Die Materiedichte ist bei beiden Antrieben jedoch so hoch, wie die Materiedichte des Universums kurz nach
dem Urknall gewesen ist. Alcubierre und Broeck gingen von einer vorher ungekrümmten Raumzeit aus. Ist
die Raumzeit hingegen gekrümmt, so genügen nach Sergei Krasnikov bereits 10 kg exotischer Materie,
um solch ein System aus Warp-Blasen zu erzeugen. Durch geringfügige Modifikation der
Van-Den-Broeck-Metrik gelang es Krasnikov, die notwendige Menge an exotischer Materie auf einige
Milligramm zu reduzieren.

Untersuchungen von Finazzi, Liberati und Barceló stellen die Stabilität der Warp-Blase in Frage. McMonigal,
Lewis und O'Byrne von der University of Sydney gehen aufgrund einer theoretischen Studie davon aus,
dass beim Abbremsen eine für die Umgebung tödliche Strahlung entsteht.

                                                                                                                                                                             (aus Wikipedia)

Nach den ersten Modellen wird zu viel exotische Materie benötigt. Van den Broeck denkt sich
deshalb in die Warp-Blase zwei weitere Blasen hinein,
wobei die äußere mit einem Durchmesser
von 3/1000-stel Millimeter die innerste, deren Oberfläche einem Durchmesser
von 200 Metern (!)
entspricht, umschließt. 

Hier muss der gesunde Menschenverstand passen und überlässt damit den Physikern das Feld,
die anscheinend in einer ganz anderen Welt leben, einer mit vierdimensionaler Geometrie!


Trotz dieses geistigen Purzelbaums sind immer noch einige Sonnenmassen an Exotischer Materie
erforderlich. 
Krasnikov löst sich deshalb von dem Modell, sich entlang einer ungekrümmten
Raumzeit zu bewegen, und geht von einer gekrümmten Raumzeit aus. Und siehe da, jetzt
werden nur noch 
Milligramm Exotischer Materie benötigt, um einen Warp-Antrieb zu betreiben.  

Im September 2012 diskutierten Forscher neue Aspekte und Möglichkeiten für die Realisierung eines
Warp-Antriebes. Dabei wurde die Einstufung von „unrealistisch“ in „durchaus umsetzbar“ geändert. Grund
dafür sind Berechnungen von Wissenschaftlern der NASA, die durch Modifikationen des ursprünglichen
Konzeptionsentwurfs glauben, den benötigten Energiebedarf des Antriebs senken zu können.

2013 prämierte das American Institute of Aeronautics and Astronautics eine wissenschaftliche Publikation,
die sich mit möglichen Theorien und Strategien einer zukünftigen Entwicklung eines Warp-Antriebes
befasste. NASA Johnson Space Center und Dakota State University planen in einer Reihe von
Experimenten mit einem White–Juday Warp-field Interferometer Grundlegendes zu überprüfen.

                                                                                                                                                                              (aus Wikipedia)

Voilá! Aus dem, was ein Science-Fiction-Autor ersonnen hat, ist schließlich ein angeblich
machbares Antriebsprojekt geworden, das nicht nur einigen "Wissenschaftlern" auf Jahre
hinaus ein erkleckliches Einkommen sichert, sondern auch die Physik um weitere
obskure
Ideen bereichert.



Beispiel Neutronenstern-Idiotie


Neutronensterne sind die Überreste von großen Sternen, wo die Hülle weggesprengt wurde (s. Supernova),
so dass der aus Neutronen bestehende innere Kern frei liegt. Die Neutronen liegen hier so dicht, dass die
Sternenreste, obwohl immer noch mehr Masse als die Sonne enthaltend, lediglich einen Durchmesser
von etwa 20 km haben.

Sie treten als Pulsare in Erscheinung, indem sie Blitze abgeben, die vom Radiowellenbereich bis hin zum
Gammastrahlenbereich reichen und Perioden von einer Millisekunde bis acht Sekunden aufweisen.







Bild 1. Der Vela-Pulsar (animiert) *

Gammastrahlen-Blitze des Pulsars im Krebsnebel. Es
ist nicht 
auszumachen, ob die Strahlung aus der
ganzen Oberfläche immer nur für kurze Zeit
emittiert wird, oder nur aus bestimmten Sektoren, die kurzzeitig in Richtung Erde weisen.
 

Es wird angenommen, dass die Strahlung der Pulsare entsteht, indem elektrisch geladene Teilchen den
Magnetfeldlinien folgen und dadurch auf eine Kreisbahn gebracht werden, ähnlich den Elektronen in einem
Synchrotron. Da die Magnetfeldachse von der Rotationachse abweicht (s. Bild 2), streicht die vom Pulsar
abgegebene Strahlung wie das Licht eines Leuchtturms durch den Kosmos und trifft somit immer nur für
einen kurzen Moment auf einen in der Bahn des Strahles liegenden Empfänger.








Bild 2. Die Pulsar-Strahlung *

Die Strahlung wird angeblich nur entlang der
Magnetfeldachse emittiert, die 
von der
Rotationsachse abweicht.   

Das klingt zunächst durchdacht, aber danach würde die Pulsfrequenz der Drehzahl des jeweiligen
Neutronensterns entsprechen, also bei der höchsten bisher festgestellten Frequenz (etwa 700 Hz)
700 U/s
, und das ist einfach ausgeschlossen! 

Da eine Supernova eine Sternenexplosion ist, bei der Materie in alle Richtungen weggesprengt wird, und
somit der kleine übrig bleibende Neutronenstern nicht durch Schrumpfung bzw. eine Implosion entsteht,
kann hier auch kein Pirouetteneffekt eintreten, weshalb schon der Ursprungsstern eine Drehzahl von
700 U/s aufgewiesen haben müsste. Besaß er "nur" den 
Durchmesser der Sonne und damit einen
Umfang  von 4.396.000 km, hätte sich bei dieser schnellen Rotation ein Punkt auf seinem Äquator
mit 3.077.200.000 km/s durch den Raum bewegt.

Die Absurdität dieser Vorstellung zeigt sich auch darin, dass es zum Auftreten von Nulling-Phasen
kommt, wo die Pulse für einige Zeit ausbleiben. Der Vela-Pulsar gibt zwei Pulse hintereinander ab,
dann folgt eine kurze Pause, als würde jeder dritte Puls ausfallen.

Ist 
die Grenze zur Phantasie erst einmal überschritten, wird der gesunde Menschenverstand
zunehmend von Wunschvorstellungen übertölpelt und auch der offensichtlichste Unsinn
als realistisch angesehen, während Hinweise der Natur, dass man bei der Erklärung der
grundlegenden Prozesse daneben liegt, verkannt werden!


Aufgabe der Physik ist die Beschreibung der unbelebten Materie, ihrer Eigenschaften und die
Prozesse
ihrer gegenseitigen Beeinflussung. Dabei sollte nach bestem Wissen und Gewissen
vorgegangen
werden, was von jedem Physiker den Mut und die Entschlossenheit erfordert,
sich des eigenen Verstandes zu bedienen
(s. Link "Die den Mut haben").

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